Wände und Wämedämmung

Gegenüberstellung WDVS-Systeme mit Tragschale und monolithische dämmende Bauweisen

Zur Abwägung von Grundsatzentscheidungen beim Bau erfolgt hier der Vergleich von verschiedenen Fassadensystemen. In dem nachfolgenden Vergleich werden die Vor-und Nachteile aus meiner Sicht gegenübergestellt.

Tragschale mit Wärmedämmverbundsystemen

Systeme aus EPS (z.B. Styropor) oder XPS

Vorteile:

  1. kostengünstige Herstellung
  2. der Rohbau kann einfacher ausgeführt werden erfordert aber eine genaue Ausführung in Hinblick auf die Anforderung an planebene Außenwandoberflächen.

Nachteile:

  1. Auf Grund der hydrophoben Grundeigenschaft bildet sich auf der Außenhaut der Fassade Kondensat. Bei WDVS-Systemen kommt hinzu, dass die Bauteiloberfläche geringere Temperaturen aufweist, da Wärme hier nicht gespeichert wird. Folglich bleibt Feuchtigkeit lange auf der Oberfläche und begünstigt organischen Befall (Algen, Moose). Dieser wird durch Algizide und Fungizide lediglich temporär aufgehalten. Nach ca. 5 Jahren sind diese Gifte ausgewaschen und tragen zur Umweltverschmutzung in Böden, Grundwasser und in Flüssen bei.
  2. EPS Systeme sind offenzellige Dämmstoffe, die einmal aufgenommene Feuchtigkeit nur in geringem Maße wieder abgeben. Sind die Dämmplatten feucht nimmt die Dämmwirkung ab und das Bauteil kann die ihm zugewiesene Funktion nicht mehr erfüllen. Eine perfekte Verarbeitung ist lediglich eine wohlmeinende Hypothese und das Risiko von Schäden aus Setzungen oder Verarbeitungsfehlern deswegen sehr hoch.
  3. Die Fassade lädt sich elektrostatisch auf und zieht Schmutzpartikel an.
  4. Bei solchen Fassaden werden Anstriche mit thermoplastischen Bindemitteln verwendet die schmutzemfindlich sind, weil Schmutzpartikel sprichwörtlich an der Fassade „kleben“ können. Das wird in Fachkreisen „Einbrenneffekt“ genannt.
  5. Aufgrund der zuvor beschriebenen Nachteile werden diese Art Fassaden recht schnell unansehnlich und erfordern erfahrungsgemäß schon nach ca. 5-10 Jahren eine grundlegende Überarbeitung. Diese dadurch entstehenden Unterhaltskosten (bestenfalls: Gerüst, Reinigung, Ausbesserung, Anstrich) stehen in keiner Relation zu den Ersparnissen bei der Erstellung.
  6. Es besteht wegen der hohen Anforderungen an die Ausführungsgenauigkeit das Risiko, dass die Dämmplatten nicht planeben auf der Unterkonstruktion anliegen und auf diese Weise eine Luftschichtebene enteht, die in Folge der Thermik die Dämmwirkung erheblich reduziert.
  7. Wärmedämmsysteme aus EPS sind im Wortsinn brandgefährlich. Die Zuordnung der Produkte in die Brandklasse B1 und auch die gemäß den technischen Regelwerken zu verbauenden Brandriegel stellen keine hinreichende Sicherheit dar. Die Realität wird durch die Klassifizierungen unzureichend abgebildet. Hat es gebrannt ist der Bau bis in den angrenzenden Innenbereich mit carcinogenen Giften kontaminiert, die nur mit großem Aufwand wieder entfernt werden können. Hinweise finden sich auch in dieser unterhaltsamen Sendung des WDR: Wahnsinn Wärmedämmung
  8. Der Baustoff EPS wird seit 2016 für den Entsorgungsfall als Sondermüll klassifiziert. In der langfristigen Betrachtung sind folglich Nachteile zu erwarten.
  9. Die Fassade ist mechanisch nicht so belastbar, wie eine massive Wandkonstruktion.
  10. Natursteinverblendungen lassen sich hierzu nur in Form von aufwändigen mehrschaligen Systemen kombinieren.
  11. schlechte Umweltbilanz

 

Systeme aus Mineral-bzw Steinwolle

Vorteile:

  1. bei einer Ausführung mit dicken Putzsystemen sind die Nachteile Nr. 1 bis 8 nicht gegeben.
  2. Die Feuersicherheit erfüllt die höchste Brandschutzklasse A1

Nachteile:

  1. Die Fassade ist mechanisch nicht so belastbar, wie eine massive Wandkonstruktion.
  2. Natursteinverblendungen lassen sich hierzu nur in Form von aufwändigen mehrschaligen Systemen kombinieren.
  3. teure Herstellung und ebenso teure Verarbeitung (ca. Faktor 2 gegenüber EPS). Von der Kostenseite ist es an dieser Stelle sinnvoll in monolithische Dämmsysteme (Wandbauteile sind Tragwerk und gleichzeitig Dämmung) zu investieren.

Monolithisch dämmende Mauerwerkssysteme

Vorteile:

  1. der Wandaufbau besteht aus wenigen Schichten, wodurch das Risiko von Baufehlern erheblich reduziert wird. Wegen der nicht so hohen Anforderungen an planebene Bauteiloberflächen sind mehr Ausgleichsmöglichkeiten für Toleranzen gegeben.
  2. Bei einem mineralischen Aufbau mit Silikatfarben oder Kratzputzen ist das Risiko eines organischen Befalls minimiert. Bei einem Anstrichsystem mit organischen Bestandteilen kann man annähernd die gleichen Risiken, wie bei EPS Punkt 1 erfahren. Das Produkt KEIM Soldalit oder absolut gleichwertig ist hier die maßgebliche Referenz. Die Vorteile dieses Produktes:
  3. geringstmögliche organische Bestandteile (deswegen ohne die oben beschriebenen Nachteile)
    mineralische, UV-beständige Farb-Pigmente
  4. keine elektrostatische Aufladung – geringe Schmutzanfälligkeit
    Feuchtigkeit wird von der Oberfläche aufgenommen und trocknet schnell ab. Die langen Trockenphasen beugen organischem Befall vor.
  5. Die Farbe enthält als Bindemittel Kaliwasserglas. Ein Verkleben von Schmutzpartikeln, wie bei thermoplastischen Bindemitteln findet nicht statt und Schmutz löst sich z.B. bei Beregnung der Fassade wieder.  Über einen langen Zeitraum findet an der Oberfläche eine Art Minimalerosion statt, die ebenfalls einen Selbstreinigungseffekt der Oberfläche hat.
  6. Die Bauteile sind brandschutztechnisch unbedenklich.
  7. Die Bauteiloberfläche ist mechanisch stabil.

Nachteile:

  1. Die Erstinvestition ist höher
  2. der Rohbau kann aufwändiger werden weil die Betonbauteile hier separat zu dämmen sind.
  3. Bei starkem Regenwetter sieht man der Fassade an, dass sie in dieser Zeit naß ist. Das ist allerdings kein Mangel.

Im Internet findet man viele Informationsquellen, die zum Teil widersprüchliche Sichtweisen wiedergeben. Diese sind vermutlich zu einem großen Teil das Ergebnis der EPS Lobby, die sich dieses Geschäftsmodell nur ungern nehmen lassen und fachunkundige Leser im Fokus haben.

© Architekt Dipl.-Ing. (FH) Christian Welter

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