Bei der unter Denkmalschutz stehenden evangelischen Stadtkirche in Bad Laasphe , dem ältesten erhaltenen Bauwerk der Stadt, aus dem 13. Jahrhundert, waren Restaurierungsarbeiten erforderlich. Aufgrund eines akuten Schadens an der mittelalterlichen Holzkuppel wurden neben der Restaurierung der Kuppel weitere erforderliche Maßnahmen realisiert. Wegen des öffentlichen Mehrwertes wurden Fördermittel beantragt. Die Maßnahmen wurden vom Seiten des Landes NRW, Bezirksregierung Arnsberg im Rahmen des Denkmalförderprogramms 22 gefördert und sind nachfolgend beschrieben. Für unseren Bauherren, die Evangelische Kirchengemeinde Bad Laasphe wurden unsererseits die erforderlichen Architektenleistungen der Leistungsphasen 1-8 erbracht.

(Foto: evangelische Kirchengemeinde Bad Laasphe)
Die Restaurierungen betrafen die folgenden Bauteile:
- Restaurierung der mittelalterlichen Holzkuppel
- neuer Zugang und Ergänzung des Wartungstegs im Dachstuhl
- Restaurierung der Außentreppe zur Kirchschule
- Restaurierung von zwei Portaltüren
- Restaurierung der Portalgewände
- Restaurierung der Tür zur Kirchschule
- Restaurierung des Sockels
Restaurierung der mittelalterlichen Holzkuppel
Aus dem, an die Holzkuppel angrenzenden, Kamin ist Kondensat ausgetreten und hat die Holzkuppel in Teilen geschädigt. Der Schaden wurde durch Verfärbungen im Putz auf der Unteseite der Kuppel sichtbar. Nach Analyse des Schadens durch den Gutachte Architekt Ulrich Arnold aus Castrop Rauxel wurden Maßnahmen zur Restaurierung empfohlen.
Der Schaden blieb für eine unbestimmte Zeit unbemerkt da er sich im Wesentlichen in seinen Folgen zeigte. In dem Zusammenhang wurde erkannt das regelmäßige Wartungsgänge nur der einzige Wartungszugang über eine nicht gerne und deswegen selten begangene, gut sieben Meter hohe senkrechte Leiter möglich waren.

Auf Empfehlung des LWL aus Münster wurde überlegt, wie man den Dachstuhl bequemer und sicherer begehen kann. Die Herstellung eines solchen Zugangs war Voraussetzung für eine wirtschaftliche Sanierung der Holzkuppel – die Restaurierungsarbeiten wären mit Materialtransport und Begehung über die Turmleiter anderenfalls ein vielfaches teurer geworden. Erste Vorschläge diesen Zugang mit weitreichenden Eingriffen bei der massiven Kuppel des Turms zu verwirklichen hatten wir in Hinblick auf die wertvolle historische Substanz kritisch gesehen und nach einer Alternative gesucht. Wir erdachten einen Zugang über die Kirchschule mit Erweiterung des vorhandenen Wartungsstegs, da die auf dem Weg liegenden Decken nur bedingt tragfähig sind.

Diese Lösung war mit geringen Eingriffen in die historische Substanz und reversiblen Maßnahmen möglich. Der wegen der komplexen Lage und Geometrie nicht konventionell aufmessbare Weg führte zwischen diagonal im Raum verlaufende Balken des Dachtragswerks und über eine massive Bruchstein-Kuppel.
Als Planungsgrundlage für diesen und weitere Schritte wurde deswegen ein vollständiges Punktwolkenaufmaß zur 3D-Verarbeitung in unserer Software aufgenommen.


Der Zugang des Dachstuhls erfolgt durch eine Bodeneinschubtreppe in der Zwischendecke der Kirchschule zum Dachstuhl. Hier beginnt der Wartungssteg der die Apsis mit einer Holztreppe frei überspannt. Der Steg ist in Lage und Höhen so angelegt, dass ein leicht und aufrecht begehbarer Weg durch das Dachtragwerk hindurchführt.


Restaurierung der mittelalterlichen Holkuppel
Der konkrete Schaden an der Holzkuppel zeigte sich in Form eines organischen Befalls in Form von Pilzen.

Die geschädigten Balken mussten gesund geschnitten und mit Anschuhungen aus Eichenholz restauriert werden. Da auch Bereiche der Schalung an der unterseitig verputzten Kuppel zu Ersetzen war mussten Teilflächen des Putzes entfernt werden.


Um zu erkunden, ob verdeckte, historische Farbfassungen vorhanden sind, wurde eine Restauratorin mit der Untersuchung der Schichtaufbauten beauftragt. Historische, erhaltenswerte Farbfassungen konnten nicht gefunden werden. Im Zuge des Einbaus des Kamins, vermutlich in den 1960er Jahren wurde die mittelalterliche Kuppel seinerzeit nicht denkmalgerecht „angepasst“. Folglich wurden neuzeitliche Putzträger und Putzmaterialien vorgefunden. Die Wiederherstellung der für die Zimmerarbeiten entfernten Oberflächen erfolgte mit einem vom Restaurator angesetzten Kalkputz mit Heißkalktünche mit mineralischen Pigmenten für die Farbfassung.


In dem Zusammenhang ist es von besonderem Interesse, dass die übrigen fünf Kuppeln des Kirchenschiffs nicht aus Holz, sonden aus Natursteinmauerwerk bestehen.
Im Zuge der Jahrhunderte haben sich erhebliche Schmutz -und Schuttablagerungen , auf den Oberflächen abgelagert. Überwiegend handelte es ich hierbei um Verarbeitungsreste einer Tragwerksertüchtigung aus den 1990er Jahren Die Grabenähnliche Fuge zwischen der Holzkuppel und den Massivbauteilen war vollständig mit Schutt gefüllt. Im Zuge der Restaurierung wurden die Oberflächen vom losen Schmutz befreit und die umlaufende Fuge der Holzkuppel zur Vermeidung von organischem und Schädlingsbefall freigelegt.
Sanierung der Außentreppe zur Kirchschule
Die Außentreppe aus den 1950er Jahren wies Schäden am Geländer, den Natursteinstufen und dem Sockel auf. Offensichtlich fehlten Abdichtungen unter den Stufen und im Anschlussbereich zu den angrenzenden Wänden. Beim Rückbau der Natursteinstufen, die für den Wiedereinbau restauriert wurden konnte der Zustand des Treppenunterbaus erkannt werden. Der Beton hatte keine ausreichende Festigkeit, die Bewehrung lag offen und war so stark korrodiert, dass die Tragfähigkeit in Summe der Mängel unzureichend war. Die Betondecke mit Stufenauflagern wurde nach Rückbau des Bestands als neue Ortbetonkosntruktion hergestellt. Auf dieser Ebene und zu den angrenzenden Wänden erfolgte eine Abdichtung mit Dichtschlämme Die sanierten Stufen und das restaurierte Geländer wurden wieder auf den ebenfalls sanierten und mit Kalk verputzten Treppenunterbau aufgesetzt.


Restaurierung der Portaltüren
Die Türen wiesen starke Fugenbildungen im Bereich der Füllungen auf, die Sockelbretter und die darüberliegenden Füllungen waren stark geschädigt, die Drückergarnituren hatten starkes Spiel, die Farbbeschichtung bestand aus nicht denkmalgerechten Lack-Farben. Einzelne Fugen waren dauerelastisch mit Silikon versiegelt, Bretter im untren Bereich wiesen Würfelbruch auf.

Die Türen wurden demontiert und in der Erkstatt des Restaurators zuerst thermisch entlackt und nicht erhaltbare Hölzer entfernt, Der Ersatz wurde so eingebaut, dass sich die horizontale Stoßfuge bei der strärker geschädigten Tür hinter dem Band befindet. Die Stahlbauteile wurden nach der Entsostung mit Eisenglimmerfarbe gestrichen, die Klinke neu gelagert. Die Türen wurden mit UV-beständig mineralisch piegmentierter Standölfarbe farblich gefasst..
Türe zur Kirchschule
Die Türe wies überwiegend Mängel in der Farbbeschichtung auf, die nach Entlackung mit einer neuen Farbfassung mit Standölfarbe behoben werden konnten. Die Türzargen und die angrenzenden Stile des Fachwerwerks waren in Folge der Undichtigkeiten bei der angrenzenden Treppe so stark geschädigt, dass sie erneuert werden mussen.

Gewände der Portaltüren
Die die Tore einfassenden Gewände aus rotem Sandstein wurden vermutlich in der 1970er Jahren in Schadensbereichen mit Antragungen versehen und für eine homogene Oberflächenwirkung mit Dispersionsfarben gestrichen. Durch die dampfsperrende Wirkung dieser Farbsysteme wurde Feuchte am Ausdiffundieren gehindert. In der Folge mit Frost-Tauwechsel ist es zu stärkeren Abplatzungen gekommen, die im Rahmen der Maßnahme zu restaurieren waren.

Da sich die Schadensbilder überwiegend bis in eine Höhe von ca. einem Meter über Terrain zeigten haben wir die Maßnahmen zunächst bis zu dieser Höhe ausgeführt. Die Dispersionfarbbeschichtung wurden überwiegend im JOS-Verfahren abgetragen. Unpassende oder abgelöste Antragungen wurden entfernt, Risse geklebt und die Gewände durch neue farblich passend eingestellte Antragungen ergänzt.




Sockel
Der umlaufende Sockel wies stärkere Schädigungen in Form von Putzablösungen bzw. Abplatzungen auf. Die Ursache ist ähnlich mit den Schäden bei den Sandsteingewänden. Auch hier wurden die Oberflächen seinerzeit mit dampfdichten Oberflächen beschichtet. Die im Mauerwerk aufsteigende Feuchtigkeit konnte auch hier nicht ausdiffundieren und führte bei Frost-Tauwechsel zu den festgestellten Abplatzungen. Ein weiterer, die Schäden verstärkender Einfluss, ist durch das auf den angrenzenden Oberflächen verwendete Tausalz feststellbar.

Durch Freilegungen in Teilflächen konnte festgestellt werden, dass sich unter dem Putz in Traßmörtel versetztes, hochwertiges Natursteinmauerwerk vorhanden ist. Der vorhandene, nicht bauzeitliche Kalkzement-Putz ist als harter Putz auf hartem Naturstein ungeeignet. Wir haben vorgeschlagen den Sockel umlaufend im geschädigten Bereich freizulegen um eine bestmögliches Ausdiffundieren der Feuchte zu ermöglichen. In Hinblick auf nicht vorhandene Horizontalsperren ist aufsteigende Feuchtigkeit nicht zu vermeiden. Der Bestandsputz wurde durch einen sauberen Schnitt in ca. 30 cm Höhe getrennt und darunter abgestemmt. Die Oberflächen wurden im Jos-Verfahren gereinigt, loses Fugenmaterial ausgeräumt.

Anschließend wurden Fehlstellen mit passendem Naturstein ergänzt und die Fugen mit Kalktraßmörtel gefüllt und gerappt. Mit Basaltzuschlägen wurde der Mörtel an den historischen Bestand angeglichen.


