Unsere Mitarbeiterin, Architektin Kerstin Heider, wiederholt Ihren Vortrag, den sie im Rahmen ihrer universitären Tätigkeit am 13.12.25 an der École Normale Supérieure (Teil der Sorbonne) in Paris gehalten hat, am 12.05.2026 ab 19 Uhr, in der Stadtkirche in Bad Laasphe. Der Titel „ZwischenZeiten – Architektonische Antworten auf erinnerte Geschichte“ gibt einen Ausblick auf den Inhalt. Das übergeordnete Thema der Tagung in Paris war „Zeitlichkeit und Geschichtichkeit“ .
Im Rahmen ihrer universitären Tätigkeit hält unsere Mitarbeiterin Architektin Kerstin Heider einen Vortrag an der École Normale Supérieure in Paris.
Der Vortrag bildet den Abschluss der internationalen Tagung der Société internationale pour l’architecture et la philosophie (Internationale Gesellschaft für Architektur und Philosophie (IGAP)´ UMR Pays Germaniques, CNRS/ENS-PSL Universität Siegen, Department Architektur ENSA Montpellier UPVM, LIFAM ENSA Paris-Belleville/IPRAUS). Die Tagung beginnt am 11.12.25 und endet am 13.12.25. Ihr Vortrag „ZwischenZeiten – Architektonische Antworten auf erinnerte Geschichte“ ordnet unser Projekt der Nutzungsänderung der ehemaligen Synagoge in Bad Laasphe zu einem Erinnerungs-und Veranstaltungsort in den architektonisch philosophischen Kontext der Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit ein.
Der Ort des Vortrags die École Normale Supérieure (Teil der Sorbonne):
Am 05.02.25 wurde von Ministerin Ina Scharrenbach ein weiterer Förderbescheid aus dem Fördertopf Heimatzeugnis für Zeugnisse lokaler und regionaler Geschichte übergeben. Die Übergabe erfolgte im ehemaligen Sakralraum des Gebäudes unter Teilnahme des Bad Laaspher Vereins für christlich jüdische Zusammenarbeit e.V., der lokalen Verwaltung und Politik, sowie der Presse.
Mit der Übergabe und Annahme des Förderbescheids ist der wirtschaftliche Rahmen für das Vorhaben gegeben – die Finanzierung gilt jetzt als gesichert. Möglich wurde das duch erhebliche private Spenden, den Förderzusagen des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Stadt Bad Laasphe, der NRW-Stiftung und der Förderung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes.
Dennoch sind private Spenden für die qualitätvolle Realisierung weiterhin sinnvoll und hilfreich.
Am 27.11.24 wurde die Baugenehmigung erteilt.
Wir haben mit der Ausführungs-und Detailplanung auf Grundlage der in Arbeit befindlichen Tragwerks-und Energieplanung begonnen. Des weiteren erarbeiten wir einen Masterplan für das Ausstellungskonzept. An dieser Stelle machen wir darauf aufmerksam, dass der Verein auf der Suche nach geeigneten Ausstellungsobjekten ist.
auch die Siegener Zeitung hat über dieses überregional interessante Ereignis online hinter der Paywall und in der Printausgabe „exclusiv“ nur für die Region Siegen Wittgenstein berichtet.
Mein Wortbeitrag zur Übergabe des Förderbescheids:
Sehr geehrte Frau Ministerin Scharrenbach, Sehr geehrter Herr Bürgermeister Terlinden, sehr geehrte Damen und Herren,
wenn man sich das Gebäude, in dem wir uns befinden, im aktuellen Zustand ansieht wird man nicht an eine Synagoge erinnert.
Das hat seinen geschichtlichen Hintergrund: Zu der Zeit als die jüdische Bevölkerung, die wahrscheinlich ehemalige Scheune, als Synagoge in Anspruch genommen hatte, war es für sie gesellschaftlich opportun sich bescheiden in der „zweiten Reihe“ des Stadtraums einzufügen.
Erst mit höherer gesellschaftlicher Anerkennung traute man sich 1871 mit dem Einbau von Rundbogenfenstern selbstbewusster aufzutreten.
Von diesem Zeitpunkt an war das Gebäude öffentlich als sakrales Bauwerk erkennbar !
In der Pogromnacht 1938 wurden die sakralen Rundbogenfenster zerstört und im Jahr darauf durch profane rechteckige Fenster ersetzt.
Für die nachfolgende Nutzung als Schlosserei wurden die Frauenemporen zurückgebaut und der Sakralraum durch den Einbau der Brandwand, neben der wir uns gerade befinden, verkleinert.
Diese seit 1939 nahezu unveränderten Eingriffe sind unwiderlegbare und somit wertvolle Beweise für die Schändung der Synagoge am konkreten Ort und das überregional geschehene Unrecht im Kontext des Holocausts.
Ursprünglich beabsichtigte der Verein die Schändung zu heilen und die Synagoge im Wesentlichen so wieder sichtbar zu machen, wie sie einmal war. Da eine Heilung der Schändung mit der teilweisen Rekonstruktion auch die Gefahr impliziert, dass man den Umbau in ferner Zukunft missverstehen und den Fakt der Schändung in Frage stellen kann, haben wir uns auf einen anderen Umgang geeinigt:
Seinerzeit zerstörte und entfernte Bauteile wie z.B. Rundbogenfenster und Emporen werden den Beweisen der Schändung in moderner und damit datierbarer Form als konkrete Gedankenbrücke gegenüber gestellt. Hierbei bleiben, beispielsweise, die Brandwand mit allen Zeitspuren, Technik und Patina wegen der offensichtlichen Authentizität genauso erhalten wie die 1939 eingebauten Rechteckfenster die von den neuen Rundbogenfenstern überlagert werden.
Diese neuen Bauteile werden keine Repliken von Verlorenem und sollen die Geschichte des Bauwerkes ablesbar und verständlich machen. Hinzu kommen den Gedanken überhöhende Gestaltungen wie das Glasgeländer der neuen „Frauen“- Empore mit den hier verewigten Namen der ehemaligen Gemeindemitglieder die sich auf diese Weise wieder vor Ort versammeln.
Dieser künstlerische Umgang geht über die gängige Denkmalerhaltung des rein materiellen Bewahrens hinaus, ist an diesem zukünftigen Erinnerungs-, Lern- und Veranstaltungsort von höchster Wichtigkeit und bringt das Bauwerk selber zum Erzählen.
Architekt Christian Welter , Bad Laasphe, den 05.02.25
Am 22.04.24 haben wir die denkmalrechtliche Erlaubnis erhalten. Den Anregungen der Denkmalbehörden Rechnung tragend hatten wir den Vorschlag weiterentwickelt. Hierdurch konnten die Belange des Denkmalschutzes und des Bad Laaspher Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. in Einklang gebracht werden.
Nun können die weiteren Schritte zur Realisierung begangen und die Planung fortgesetzt werden.
Eine weitere Hürde ist auf dem Weg allerdings noch zu nehmen: Wegen der hohen Förderzusagen muss „nur“ noch, eine im Verhältnis zur Gesamtsumme, kleinere Deckungslücke geschlossen werden. Bei dem Gesamtvolumen von rund 1,5 Mio. fehlen noch rund 135 tsd€ . Um diese Deckungslücke zu schließen hat der Verein gestern eine Crowfundingaktion gestartet:
Der überraschende Sinneswandel bei den Denkmalbehörden stellt den Verein vor eine Zerreißprobe.
– Vielleicht steht dieses überregional wichtige Projekt vor dem Scheitern-
Der Bad Laaspher Freundeskreis hat sich mit unserem gestalterischen Konzept, wo das Herausarbeiten von Geschichtsspuren und Erinnerungen, das Gebäude selbst zum erzählen bringt, identifizieren können und die ursprünglich beabsichtigte Teilrekonstruktion verworfen.
Die Schändung der ehemaligen Synagoge soll an Hand authentischer Zeugnisse der Überformung durch die Schlosserei anschaulich werden.
Die sakralen Rundbogenfenster wurden 1938 zerstört und 1939 durch profane Rechteckfenster ersetzt. Wir wollen diese Fenster, die offensichtlich seit dem Einbau nicht überarbeitet wurden, in großen Teilen mit der Patina erhalten, wie sie aktuell sichtbar ist. Diese „Beweisstücke“ werden mit modern gestalteten Rundbogenfenstern überlagert. Auf diese Weise wird an die Synagoge erinnert, ohne zerstörtes zu rekonstruieren, und die Schändung ablesbar. Darüber hinaus wird das Bauwerk als Erinnerungsort im Stadtgefüge der historischen Altstadt wahrnehmbar und erfährt die für die Nutzung erforderliche Identität.
Folgen wir der neuen bzw. revidierten Sichtweise der Denkmalbehörden sind die betreffenden Fenster unter Verlust der Zeitspuren und damit der Beweiskraft zu restaurieren. Als Teile der Gebäudehülle müssen die Holzfenster den Anforderungen an den Wetterschutz genügen. Hierfür genügt es nicht, die Fenster von außen zu überarbeiten, da eine neue Farbbeschichtung wie eine Dampfbremse wirkt – die Fenster würden verfaulen. Folglich ist eine Restaurierung unumgänglich – danach sehen die Fenster wie „neu“ aus; jeglicher Zeugniswert geht verloren.
Über den nachfolgenden Link können Sie den Beitrag der Lokalzeit Südestfalen aufrufen (Beginn 5. Minute)
Der geplante Lern-Erinnerungs -und Kulturort „Alte Synagoge“ in Bad Laasphe ist der Realisierung einen entscheidenden Schritt näher gekommen.
Im Nachgang zur Zusage des Landes NRW über 830.000€ im Rahmen des Förderprogramms „Heimatzeugnis“ erfolgte im November 2022 eine weitere Förderzusage in Höhe von 150.000 € von Seiten der NRW-Stiftung und abschließend im Dezember 2022 noch eine weitere Zusage von 378.000€ aus dem Denkmalschutz Sonderprogramm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die Bau-und Baunebenkosten haben wir mit rund 1.500.000€ ermittelt.
Der Bad Laaspher Freundeskreis für christlich jüdische Zusammenarbeit e.V informiert in dem nachfolgend verlinkten Film über das Projekt und freut sich, wenn noch weitere Spenden für die restlich benötigten Gelder eingehen.